Wenn das Wasser versalzen ist

Dies wird kein normaler Artikel mit Rezept über eine eventuell versalzene Suppe.

Vielmehr möchte ich – im Rahmen meines Monatsthemas „Ozean“ – einmal den Salzgehalt im Ozean oder in der Suppe prüfen.

Anlass war eine sogenannte „Candidate Experience“, von der mir ein Bekannter berichtet hat. Das Thema ist ja in aller Munde bzw. auf jedem Blog zu finden. Wer eine theoretische bzw. praxis-/unternehmensorientierte Betrachtung sucht, der findet am Ende dieses Beitrages verschiedene Linktipps* zum Weiterlesen.

Bei mir – wie auch mein der Titel meines Blogs verrät – geht es um die Bewerbersichtweise. Übrigens lasse ich mir als Bewerbungsratgeber bzw. Coach immer freigeben, ob ich eine Erfahrung als verfremdeten/abstrahierten und anonymisierten Beitrag hier verwenden darf. Und besagter Bekannter hat mir über die Diskussion bzw. Vorbereitung zum Telefoninterview berichtet, wie ihm die Suppe versalzen wurde und erlaubt hier anderen Bewerbern und natürlich Arbeitgebern davon zu berichten.

Kurz: ein namhafter Arbeitgeber sucht einen neuen Mitarbeiter. Es gibt verschiedene Wege und Möglichkeiten dies zu tun. Neben den klassischen Wegen wie z.B. einer Anzeige, gibt es auch die Seite der Personalberater. Doch hier gibt es Unterschiede. Es gibt Plattformen, wo sich diese Berater „tummeln“ und sich an Anschreibungen, sogenannten Tendern, beteiligen können. Die Plattform hält den Kontakt zum Arbeitgeber und die Berater arbeiten gegen Provision der Plattform zu, damit diese dem Arbeitgeber Profile vorschlagen kann. So im Fall meines Bekannten geschehen. Wobei er vorher die Stelle schon selber auf einer Jobbörse (im Namen des Arbeitgebers) gesehen hatte. Aber manchmal sucht man als Bewerber ja auch den Vorteil, dass man erst einmal mit einem Berater über die Stelle und seine Aussichten sprechen kann. Gesagt, getan.

Der Berater hat den Lebenslauf von meinem Bekannten weitergeleitet und es kam zu einem Vorstellungsgespräch bei dem Arbeitgeber. Zum Glück kam es dann zu einer Absage.

Jetzt schreien vielleicht einige von Ihnen auf… „Aber Frau Gerlach, dass muss doch zum „Leidwesen“ heißen…!“. Nein. Denn mein Bekannter tat gut daran, dass es nicht zur Übereinkunft kam. Denn noch heute, 7 Monate später, sucht der Arbeitgeber seinen idealen Bewerber. Und damals suchte er schon über ein Jahr. Doch was macht die Suppe (=die Stelle) so toxisch oder so versalzen, dass der Arbeitgeber keinen Bewerber findet?

Nun… vielleicht genau das. Denn wenn der Markt der Bewerber von einer Vielzahl von Beratern auf eine einzige Stelle angesprochen wird, es also keine Exklusivität (= nur ein Berater sucht für den Arbeitgeber) gibt, dann nutzt sich das Arbeitgeberimage eventuell ab; der Arbeitgeber wirkt vielleicht verzweifelt und gute Bewerber möchte gar nicht mehr für diesen Arbeitgeber arbeiten. Mein Bekannter konnte eine Anfrage eines Beraters für diese „tolle“ Stelle gleich in den ersten 2 Minuten des Telefonats ablehnen, da er bereits vor 7 Monate diese Erfahrung gemacht hatte. Der Berater war sehr irritiert; hatte wohl nicht alle Infos vom Arbeitgeber erhalten bzw. wusste nicht, dass die Stelle schon so lange zu besetzen war. Gab dies auch offen im Telefonat zu. Und auch die Ausschreibung klang vom Wording bzw. von der Vorgehensweise (Tender-Auswahlverfahren über Beraterplattform) exakt gleich.

Mein Bekannter war froh, dass er damals abgelehnt wurde. Denn wer möchte schon für so einen Arbeitgeber arbeiten, der nicht ehrlich mit Bewerbern bzw. Beratern umgeht…nicht weiß wenn er einstellen möchte oder sich seit Monaten nicht entscheiden kann…

Von daher: manchmal ist das Wasser so versalzen, dass eben kein Fisch mehr anbeißt. Das ist zwar genau das Gegenteil von meiner These „Der Wurm muss dem Fisch schmecken“, aber wie Sie den Linktipps unten entnehmen können: es vollzieht sich ein Wandel. Wir haben einen Bewerbermarkt und jetzt sitzen die Bewerber an der Angel und suchen sich ihren „idealen“ Arbeitgeber.

In diesem Sinne… haben Sie (als Arbeitgeber bzw. Bewerber) immer ein gutes Händchen für die richtige Wahl; sei es der Stelle bzw. der Art und Weise wie Sie mit „Candidates“ umgehen.

Linktipps zum Thema „Candidate Experience“:

 

 

Ein Kommentar

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